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«Und was, wenn das Internet ausfällt?» Die Frage trifft, nur nicht Bitcoin zuerst

Eine der häufigsten Fragen in meinen Sessions, und eine gute. Die Antwort hat zwei Teile, und der überraschendere handelt gar nicht von Bitcoin.

7 Minuten Lesezeit Lisa Tscherry

Diese Frage kommt in fast jeder Einsteigerinnen-Session, und ich mag sie, weil sie von jemandem kommt, der wirklich nachdenkt. Ein Geld, das nur aus Software besteht, hängt das nicht komplett am Netz? Die ehrliche Antwort hat zwei Teile. Der erste handelt davon, was Bitcoin aushält. Der zweite davon, was der Rest unseres Geldes aushält, und der ist unbequemer.

Einen Aus-Schalter fürs Internet gibt es nicht

Das Internet ist selbst ein dezentrales Geflecht aus zehntausenden unabhängigen Netzen. Einen Schalter, der es weltweit gleichzeitig abstellt, gibt es nicht. Was es real gibt, sind regionale Ausfälle: ein Land schaltet ab, ein Stromnetz fällt aus, ein Kabel reisst. Und genau dafür ist Bitcoin gebaut. Das Netzwerk läuft weiter, solange irgendwo auf der Welt Rechner miteinander verbunden sind, und solche Rechner stehen heute in über 180 Ländern, rund 23'000 öffentlich sichtbare, dazu eine unbekannte Zahl privater.

Der Härtetest fand im Januar 2022 statt. Kasachstan, damals der zweitgrösste Mining-Standort der Welt, schaltete während Protesten das Internet im ganzen Land ab. Rund ein Achtel der weltweiten Rechenleistung verschwand innerhalb von Stunden. Und das Netzwerk lief einfach weiter, Block für Block, ohne dass Nutzerinnen anderswo etwas gemerkt hätten. Ein ganzes Land fiel aus, und es war ein Ereignis für Fachmedien, nicht für die Blockchain.

Bitcoin braucht einen Kanal, nicht das Internet

Eine Bitcoin-Transaktion ist ein winziges Datenpaket, und dem Protokoll ist gleichgültig, worüber es reist. Das Internet ist der bequemste Weg, nicht der einzige. Seit 2017 strahlen Satelliten die Blockchain rund um die Uhr über den Grossteil der bewohnten Erde aus, empfangbar mit einer kleinen Schüssel, ganz ohne Internetanschluss. 2019 wurde eine Transaktion per Amateurfunk von Toronto nach Michigan geschickt, über nichts als die Ionosphäre. Und in mehreren afrikanischen Ländern senden und empfangen Menschen Bitcoin heute per Tastenhandy über das SMS-Menü, ohne Smartphone und ohne Datenvolumen.

Man muss ehrlich dazusagen: Das sind Ausweichwege, keine Alltagsinfrastruktur. Funk und Satellit sind Machbarkeitsnachweise, und der Tastenhandy-Dienst verwahrt die Coins treuhänderisch. Aber die Frage war ja nicht, ob es bequem bleibt. Die Frage war, ob es aufhört zu existieren. Und dazu kommt das Wichtigste: Deine Bitcoin liegen nicht «im Internet». Sie sind Einträge in einem Register, das auf tausenden Rechnern gleichzeitig liegt, und deine Schlüssel dazu hast du selbst. Ein Ausfall, auch ein wochenlanger, löscht kein Guthaben. Er pausiert Überweisungen, mehr nicht.

Die unbequeme Hälfte der Antwort

Jetzt zur Umkehrung. Was passiert eigentlich mit dem gewohnten Geld, wenn das Internet ausfällt? Kartenzahlungen werden online freigegeben. Ohne Netz stehen die Terminals still, das E-Banking auch, die Börsen ebenfalls. Selbst die Schiebetür des Supermarkts und die Systeme der Bankfiliale um die Ecke hängen an Strom und Netz. Die Frage, die Bitcoin gestellt wird, trifft jedes moderne Geld, und zwar zuerst das bestehende System.

Schweden, das bargeldloseste Land Europas, rudert deshalb zurück: Die Zentralbank ruft die Bevölkerung auf, wieder Bargeld zu halten, will Läden des Grundbedarfs zur Bargeldannahme verpflichten und führt Offline-Kartenzahlungen ein, die einen Ausfall von bis zu sieben Tagen überbrücken sollen.
Sveriges Riksbank, Zahlungsbericht 2025 und Mitteilungen 2026

Das ist keine Bitcoin-Quelle, das ist eine Zentralbank. Und ihre Schlussfolgerung ist auch meine, ganz unaufgeregt: Für den Tag, an dem im Quartier Strom und Netz weg sind, ist Bargeld die richtige Antwort, ein kleiner Vorrat zuhause ist vernünftig, mit oder ohne Bitcoin. Für die Frage dagegen, ob ein rein digitales Geld einen Ausfall überlebt, ist Bitcoin erstaunlich gut aufgestellt, besser dokumentiert als das System, mit dem wir täglich zahlen.

  • Regionale Ausfälle hat das Netzwerk nachweislich weggesteckt, zuletzt den Ausfall eines ganzen Mining-Landes 2022
  • Satellit, Funk und SMS sind dokumentierte Ausweichwege, wenn auch keine Alltagslösung
  • Guthaben gehen bei einem Ausfall nicht verloren, Überweisungen pausieren nur
  • Dieselbe Frage trifft Karten und E-Banking zuerst, das sagt die schwedische Zentralbank selbst
  • Ein Bargeld-Notvorrat ist vernünftig, unabhängig von Bitcoin

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