Blog Frauen und Geld

17 Prozent der Männer, 6 Prozent der Frauen: woran der Unterschied liegt

Beim Thema Bitcoin ist der Abstand zwischen Männern und Frauen grösser als bei fast jeder anderen Geldfrage. Die naheliegenden Erklärungen greifen dabei zu kurz.

8 Minuten Lesezeit Lisa Tscherry

Es gibt eine Zahl, die ich in Vorträgen selten zeige, weil sie so leicht misszuverstehen ist. Sie stammt aus einer Befragung von PostFinance und der Hochschule Luzern im Sommer 2024, mit gut dreitausend Teilnehmenden in der Schweiz.

Der Faktor liegt also bei ungefähr drei. Bei kaum einer anderen Finanzfrage ist der Abstand so gross. Bei Wertpapieren allgemein ist er deutlich kleiner, bei Sparkonten gibt es ihn praktisch nicht.

Drei Erklärungen, die ich für unzureichend halte

«Frauen sind risikoscheuer»

Das ist die häufigste Erklärung und sie hat einen wahren Kern. Als vollständige Erklärung taugt sie trotzdem nicht. Denn wer risikoscheu ist, entscheidet sich in der Regel für etwas Sichereres. Was ich aber sehe, ist selten eine bewusste Entscheidung für eine Alternative. Es ist ein Aufschieben ohne Entscheidung.

Interessanterweise weist die grosse Schweizer Studie von 2026 selbst darauf hin, dass der Unterschied zwischen Männern und Frauen in der vertieften Analyse weitgehend von der Risikobereitschaft überlagert wird. Das heisst aber nicht, dass Risikobereitschaft die Ursache ist. Es heisst, dass sie derselbe Faktor sein könnte, der sich in beiden Zahlen zeigt.

«Frauen interessiert das Thema nicht»

Diese Erklärung widerlegt sich in meinem Alltag jeden Monat. Seit Februar 2024 halte ich Abende für Frauen in Zürich. Sie sind regelmässig voll. Über tausend Frauen haben inzwischen an meinen Formaten teilgenommen. Das Interesse ist da, es sucht nur einen anderen Zugang.

«Frauen haben weniger Geld zum Anlegen»

Auch das erklärt zu wenig. Der Abstand bleibt bestehen, wenn man Einkommen berücksichtigt. Und Bitcoin ist eines der wenigen Dinge, bei denen der Einstiegsbetrag beliebig klein sein kann. Zwanzig Franken genügen technisch vollständig.

Was ich stattdessen beobachte

Die Studie von 2026 liefert den nützlichsten Hinweis. Auf die Frage nach dem Grund, nicht zu investieren, antwortet die Mehrheit der nie investierten Personen mit «Ich weiss zu wenig». Häufiger als mit Angst vor Verlusten, häufiger als mit Zweifeln an der Technik.

Übertragen auf Bitcoin heisst das: Es fehlt nicht die Fähigkeit, das Thema zu verstehen. Es fehlt der Ort, an dem man anfangen darf, ohne schon dazuzugehören.

Warum der Ton den Unterschied macht

Bitcoin wird überwiegend von Männern erklärt, für ein Publikum, das bereits eingestiegen ist. Das ist niemandem vorzuwerfen, es ist eine Folge davon, wer zuerst da war. Es hat aber Konsequenzen für den Ton.

Was neu Einsteigende brauchen

  • Eine Frage stellen dürfen, ohne sich zu entschuldigen
  • Zusammenhänge vor Einzelheiten
  • Ein Tempo, das Nachfragen zulässt
  • Jemanden, der zugibt, was noch offen ist

Was der Raum meist anbietet

  • Fachbegriffe ab dem ersten Satz
  • Kursverläufe statt Einordnung
  • Ein Tempo für Leute, die schon dabei sind
  • Sehr viel Überzeugung, wenig Offenheit

Wer in den zweiten Raum kommt und die Fragen aus dem ersten hat, geht wieder. Nicht aus Desinteresse, sondern weil er zu Recht schliesst, dass er hier nicht gemeint ist.

Warum diese Zahl mehr ist als eine Statistik

Man kann über Bitcoin sehr unterschiedlicher Meinung sein, und es gibt gute Gründe, sich dagegen zu entscheiden. Was mich stört, ist etwas anderes: Der Abstand von drei zu eins entsteht nicht dadurch, dass Frauen die Sache anschauen und ablehnen. Er entsteht überwiegend dadurch, dass sie gar nicht erst hinschauen.

Eine Entscheidung, die man nie getroffen hat, ist keine Entscheidung. Und bei einer Frage, die möglicherweise mit Vorsorge, Selbstbestimmung und der eigenen finanziellen Zukunft zu tun hat, ist es ein Unterschied, ob man nein sagt oder ob man nie gefragt wurde.

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